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 31.1.2007 Schleswiger Nachrichten

„Für mich ist es eine Freude zu sehen, wenn sich einer wieder aufrappelt“

Sie stehen selten im Rampenlicht, doch sie sind der Kitt der Gesellschaft: Tausende von Menschen, die sich im Kreis Schleswig-Flensburg ehrenamtlich engagieren. Stellvertretend für diese vielen stillen Stars rückt unsere Zeitung freiwillige Helfer aus ganz verschiedenen Lebensbereichen in den Blickpunkt. Heute: Ulrich Willhöft aus Schleswig, ein Mensch, der sich trotz eigener Handicaps im Besuchsdienst für einen Schlaganfallpatienten engagiert.
Fahrdorf/Schleswig/ dme

Ulrich Willhöft ist nicht gerade gut zu Fuß, trotzdem hilft der seit zehn Jahren trockene Alkoholiker pflegebedürftigen Menschen, spricht mit ihnen, kauft mit ihnen ein und geht mit ihnen spazieren.
Ungeduldig wartet Karl-Heinz Hansen im Flur des DRK-Pflegeheims in Fahrdorf auf seinen Betreuer Ulrich Willhöft, genannt „Ulli“. Der kommt einmal in der Woche, um Hansen, der seit einem Schlaganfall auf Hilfe angewiesen ist und im Rollstuhl sitzt, zu unterstützen. Willhöft schiebt Hansen ins nahe Einkaufszentrum, holt für ihn die gewünschte Ware aus dem Regal, hält ihm das Portmonee oder geht mit ihm spazieren. „Ich bin mit ihm warm geworden“, bilanziert Willhöft. Und Hansen freut sich über die Hilfe und die Gesellschaft. „Ich genieße, dass Herr Willhöft kommt“, sagt er.
„Ich mache ihnen eine Freude, und ich habe auch Freude daran“, erklärt Willhöft sein bemerkenswertes Engagement, schließlich ist der seit zehn Jahren trockene Alkoholiker selber nicht besonders gut zu Fuß. Vor zehn Jahren sei er dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen, erzählt der heute 56-Jährige. „Hätte ich nicht aufgehört zu trinken, wäre ich in der Kiste gelandet.“
Dem Zusammenbruch folgten Klinikaufenthalt, Therapie und für lange Zeit ein Leben in Wohngruppen. „Die haben mich wieder zusammengeflickt“, sagt er. Vor zweieinhalb Jahren erreichte Willhöft sein Ziel und bezog in Schleswig wieder eine eigene Wohnung.
Heute ist Willhöft so weit wiederhergestellt, doch ganz ohne körperliche Folgen blieben die damaligen Exzesse nicht. Er habe wieder laufen lernen müssen. Bis heute hat er Schwierigkeiten mit seinen Füßen, die mehrfach operiert wurden, und mit der Bandscheibe. Doch Willhöft beklagt sich nicht, im Gegenteil. Er findet, er sei noch gut dran. Auf seinen Therapiestationen hat er viele Trinker getroffen, etliche hatten alles verloren, Familie, Haus und Hof.
Vor gut einem Jahr nahm Willhöft Kontakt zu „mittenmang“ auf, einer Initiative, die Kontakte zwischen Hilfsbedürftigen und Helfern vermittelt. Besuchsdienst, Einkaufen oder gemeinsames Spazierengehen sind Tätigkeiten, die die Helfer für oder mit ihren Betreuten ausführen. Trotz eigener Handicaps wollte Willhöft unbedingt helfen. „Das andere kannst du nicht mehr, dann machst du was mit hilfsbedürftigen Leuten“, sagte er sich. Allein und auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, könne schließlich jedem passieren, weiß Willhöft, für den es ein entsetzlicher Gedanke ist, dass manche Menschen den ganzen Tag nicht vor die Tür kommen, weil niemand Zeit für sie hat.
Zunächst machte man sich bei „mittenmang“ ein Bild von dem neuen Helfer. Rasch stellte man fest, dass er zuverlässig und herzlich ist und mit anpackt. Es wurde Kontakt zum Pflegezentrum des DRK in Fahrdorf aufgenommen, wo Willhöft sich seitdem um zwei Bewohner kümmert.
Jeden Donnerstag kommt er für drei Stunden, geht mit Karl-Heinz Hansen und Hannelore Sörensen einkaufen und spazieren. „Auch wenn die Sonne nicht scheint, wird die Runde gedreht“, da kennt Willhöft kein Pardon. Im Sommer und sonst, wenn es das Wetter zulässt, fährt Willhöft mit dem Rad von Schleswig nach Fahrdorf, ansonsten nimmt er den Bus.
„Ich hab’ Beschäftigung dadurch“, sagt der ehrenamtliche Betreuer. „Dadurch bleib’ ich in Bewegung. Nur in der Bude zu hocken, ist nichts für mich. Für mich ist es eine Freude zu sehen, wenn sich einer wieder aufrappelt. Das gibt mir Auftrieb.“

 

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