mittenmang Freiwilligenzentrum

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 09.10.2007 Lübecker Nachrichten

Bad Segeberg: Ministerpräsident Carstensen besucht Freiwilligenzentrum


Bad Segeberg - "Bauern können alles. Sogar Ministerpräsident werden": Peter Harry Carstensen zeigte sich beim Besuch des Freiwilligenzentrums aufgeräumt - alles Menschen, die viel können. Der Ministerpräsident war zusammen mit Kreispräsident Winfried Zylka und Landrat Georg Gorrissen am Vorabend eines wichtigen Tages zu Gast beim Freiwilligenzentrum: "mittenmang" will am Dienstag ab 19 Uhr in der "Mühle" gemeinsam mit andere Trägern das Freiwilligenzentrum Segeberg gründen. Mit von der Partie sind neben "mittenmang" unter anderem der Verein für Jugend- und Kulturarbeit "Mühle", das Evangelische Bildungswerk, Holsteins Herz und das Raue Haus.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (links) und Rolf Dierck von "mittenmang". Foto: KULLACK

Nicole D. Schmidt, Geschäftführerin von "mittenmang", und mehrere Mitarbeiter erklärten, worum es bei diesem Projekt geht, das in Schleswig und im Kreis Segeberg betrieben wird und das zum Kern hat, auch Menschen mit Behinderungen selbst als Freiwillige in sozialen Einrichtungen mitarbeiten zu lassen und dabei gleichfalls oder viel schwerer Betroffenen zu helfen.

Den Ministerpräsidenten beeindruckten vor allem die Erlebnisberichte von freiwilligen Helfern selbst: Da ist der ehemalige chemisch-technische Assistent, der eine ganze Zeitlang unter manischen Depressionen litt und nun, da es ihm besser geht, anderen psychisch Erkrankten hilft. Da ist die ältere Dame, die 25 Jahre in der geschlossenen Abteilung des Schleswiger Landeskrankenhauses verbrachte, und nun, gestützt auf ihre lange Erfahrung, eine andere Patientin persönlich betreut. Da ist die Erzieherin, die einst spielend mit 23 Kindern fertig wurde, dann aber das "Burn out"-Syndrom bekam und nun als Mittlerin zwischen Patient und Profi auftritt. Und da ist vor allem jener Mann, den Peter-Harry Carstensen gleich in der Tür erkannte und der ihm zum Ausspruch über den Bauern motivierte, der alles könne: Rolf Dierck (77) aus Bad Segeberg unterrichtete lange Zeit an der Kaltenkirchener Landwirtschaftsschule. Bei einer gemeinsamen Fortbildung lernte er Carstensen kennen, der damals in Schleswig Landwirtschaft unterrichtete. Nun ist Dierck mittlerweile Witwer und suchte nach einer Aufgabe. In der Betreuung eines 70-jährigen Heimbewohners, gehbehindert und unter Depressionen leidend, fand er diese Aufgabe. "Schnell wurden wir der ,dicke Toni' und der ,kleine Rolf", lacht Dierck und macht klar, dass eine solche Aufgabe "mittenmang" im Leben beiden gut bekommt: dem Betreuten und dem Betreuenden.

Der Ministerpräsident würdigte alle diese Leistungen, stellte zugleich jedoch klar, dass Freiwilligkeit kein Ersatz für eine staatliche Grundsicherung sein dürfe. Das gelte selbst unter dem Diktat knapper Kassen, erinnerte Carstensen daran, dass Schleswig-Holstein im nächsten Haushalt eine Milliarde Euro Schuldendienst aufzubringen habe: "Eine solche Zahl muss man sich einmal vor Augen halten!"

Von Lothar Hermann Kullack, LN


ln-online/lokales vom 09.10.2007
http://www.ln-online.de/artikel/2233287

 

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