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 20.08.2008 Kieler Nachrichten

Hier gewinnen Jugendliche ihr Selbstvertrauen zurück
Freiwilliges Soziales Jahr soll trotz schulischer Probleme bei der beruflichen Integration helfen

Von Jürgen Küppers

Kiel/Molfsee – Daniela Steinke ist in den vergangenen drei Monaten ein ganzes Stück gewachsen. Innerlich. „Endlich darf ich zeigen, dass ich etwas kann“, sagt die 23-Jährige. Dass sie sich nun etwas zutraut, obendrein ein Berufsziel fest vor Augen hat, verdankt sie einer Chance, die sie normalerweise nie bekäme: einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), das Jugendlichen mit Problembeladenen Biografien beim Einstieg ins Berufsleben helfen soll.

Die Schwierigkeiten der 13 Jugendlichen im FSJ gleichen sich: keinen oder einen schlechten Schulabschluss, Lehre abgebrochen, Stress mit den Eltern, Erfahrungen mit Gewalt oder sogar Drogen. Vor diesem Hintergrund wäre es für diese Jugendlichen so gut wie unmöglich, einen der bei Arbeitgebern hoch angesehenen FSJ-Plätze zu ergattern. Diese Chance bietet sich nur deshalb, weil das Bundesfamilienministerium Geld für ein bundesweites, auf drei Jahre angelegtes Pilotprojekt zur Verfügung stellte. Einer der Standorte des Projektes „Freiwilligendienste machen kompetent“ ist die Altenpflegeeinrichtung Schulenhof in Molfsee (wir berichteten). Hier bietet sich Jugendlichen reichlich Gelegenheit, Fähigkeiten zu erproben und weiterzuentwickeln – in der Küche, in der Hausmeisterei, in der Pflege der Grünanlagen oder bei kleinen Handreichungen des Pflegepersonals.

Über solche Tätigkeiten hat sich Daniela Steinke nun wieder Selbstvertrauen erarbeitet. Das war ihr nach einer äußerst problematischen Schullaufbahn mit Hänseleien durch Mitschüler, mangelhaften Leistungen und extremen Prüfungsängsten zwischenzeitlich abhanden gekommen. Es folgten Aushilfsjobs, verschiedene Anläufe in Berufsvorbereitungsmaßnahmen der Arbeitsagentur – zum Ziel eines beruflichen Einstiegs führte das alles nicht. Seit ein paar Monaten hat die junge Frau wieder eine geregelte Tagesstruktur, hilft alten Menschen beim essen, geht mit ihnen spazieren, macht sich in der Küche nützlich oder pflegt ihren selbst angelegten Kräutergarten. „Erst hab ich klein angefangen, aber jetzt habe ich die Chance, etwas Großes für mein Leben zu beginnen“, sagt Daniela Steinke voller Optimismus.

Die Chance dazu besteht. So helfen ihr die Sozialpädagogen Burkhard Schweiker und Anja Winkel bei der angestrebten Vermittlung in eine Ausbildung als sozialpädagogische Assistentin. Außerdem können Projekt-Teilnehmer ohne Schulabschluss nun parallel zum FSJ bei der Volkshochschule als Externe den Hauptschulabschluss nachholen.

Doch nicht alle Jugendliche halten durch. Zwei FSJlern wurde inzwischen wieder gekündigt. „Bei ihnen war einfach keine Entwicklung und Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit erkennbar“, berichtet Burkhard Schweiker. Gerade darauf kommt es im FSJ an, das nun konzeptionell an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst wurde – gemeint ist damit der jetzt verstärkte Ansatz, den Teilnehmern eine Ausbildung zu vermitteln. Aus Sicht des Sozialpädagogen macht das Sinn: „Jugendliche brauchen etwas Konkretes, um sich aus ihrer Lage herauszuarbeiten.“

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