mittenmang Freiwilligenzentrum

Medienresonanz

 

 25.03.2010 Norderstedter Zeitung, Hamburger Abendblatt

Bad Segeberg
Horst Köhler: Gut gelaunt und volksnah

Horst Köhler und seine Ehefrau Eva Luise besuchten das Freiwilligenzentrum "Mittenmang" und informierten sich über die Arbeit mit behinderten Menschen.
Von Frank Knittermeier 25. März 2010

Bundespräsident Horst Köhler gab sich in Bad Segeberg volksnah. Schleswig Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen begleitete das Staatsoberhaupt den ganzen Tag über.
Foto: dpa

Bad Segeberg. Edith Neitz kann sich noch gut erinnern: Vor genau 40 Jahren stand sie eingekeilt in einer Menschenmenge vor dem Segeberger Rathaus und jubelte dem damaligen Bundespräsidenten Heinemann zu. "Damals war mehr los", sagt die 67-jährige Segebergerin, die mit ihrem kleinen Fotoapparat am Straßenrand steht, um den heutigen Bundespräsidenten zu fotografieren. Interessant fand sie damals den Präsidenten Heinemann, von Horst Köhler und seiner Gattin Eva Luise schwärmt sie: "Der ist so zugänglich; so etwas erwartet man von einem Staatsoberhaupt überhaupt nicht." Vor einigen Jahren hatte sie ihn bereits in Schleswig aus der Nähe gesehen.

Tatsächlich gibt sich der deutsche Bundespräsident bei seinem ersten Besuch im Kreis Segeberg sehr volkstümlich. Umringt von Fotografen und Kameraleuten, von Bodyguards und vielen anderen Menschen geht er von der Kirchstraße, wo er das Freiwilligenzentrum "Mittenmang" besucht hatte, etwa 300 Meter bis zum Rathaus. Er winkt den Schaulustigen am Straßenrand zu, gibt einem kleinen jungen Autogramme, erklärt einem Passanten, dass er am Abend noch nach Berlin fliegen werde und fragt im Vorbeigehen die Mitarbeiterinnen eines Frisiersalons, wie denn die Geschäfte so laufen. Ein älterer Herr nimmt die Gelegenheit wahr und überreicht dem Bundespräsidenten einen Brief. "21-mal habe ich ihm schon geschrieben und auch ein Buchmanuskript geschickt", sagt der Mann. "Eine Antwort habe ich nie bekommen." Worum geht es in dem Brief? Der alte Herr will nicht deutlich werden: "So geht es in Deutschland nicht weiter." Immerhin wird er von den Personenschützern nicht gehindert, als er dem Präsidenten den Brief zusteckt.

Fast 30 Minuten zu spät war das Ehepaar Köhler im grauen BMW an der Kirchstraße angekommen. Schon Stunden vorher hatten Polizisten die Zufahrt abgesperrt und sich überall im Stadtkern von Bad Segeberg und an den Ausfallstraßen auffällig positioniert.

Vor dem Eingang des Freiwilligenzentrums "Mittenmang" steht Leiterin Dr. Nicole Schmidt und begrüßt das Präsidentenpaar. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen kennt sie bereits. Aufgeregt? "Nö, eigentlich nicht", sagt sie. "Ich freue mich, dass ich dem Bundespräsidenten unsere Einrichtung zeigen kann." Fototermin vor dem Eingang, dann folgen Gespräche im Café des Hauses unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Als "Mittenmang"-Mitarbeiterin Karin Prange das Präsidentenpaar fotografieren will, nimmt ihr Horst Köhler die Kamera aus der Hand und drückt sie einem seiner Delegationsteilnehmer in die Hand. Dann zieht er die verblüffte Frau neben sich und lässt sich gemeinsam mit ihr fotografieren.

Etwa 45 Minuten später dann der Fußmarsch zum Rathaus, wo Bürgervorsteherin Ingrid Altner und Bürgermeister Dieter Schönfeld Eva Luise Köhler und Horst Köhler sowie Peter Harry Carstensen begrüßen und sie in den Ratssaal im ersten Stock bitten. Dort erklärt Horst Köhler den Anwesenden, warum er an diesem Tag nach Bad Segeberg gekommen ist und was ihm dieser Besuch gegeben hat. "Es ist für mich lohnend und erfüllend zu erleben, wie Menschen mit Behinderungen anderen helfen können." Es sei eine der wichtigsten Aufgaben seiner zweiten Amtsperiode, jedem Bürger das Gefühl zu geben, an der Gesellschaft teilzuhaben. Er wolle Menschen mit und ohne Behinderungen motivieren, sich mit ihrem Können und Wissen in gemeinnützige Projekte einzubringen. Das sei "Demokratie von unten". Er werde sich dafür einsetzen, Projekte wie das Segeberger "Mittenmang" bekannt zu machen.

Bürgermeister Dieter Schönfeld überreicht dem illustren Gast eine Segeberger Chronik und lädt ihn ein, im kommenden Jahr wiederzukommen, wenn die Karl-May-Spiele ihren 60. Geburtstag feiern. Horst Köhler schmunzelt, verspricht aber nichts. Anschließend tragen sich der Bundespräsident und seine Gattin in das Goldene Buch der Stadt ein. Kurz nach 17 Uhr endet der Besuch, Horst und Eva Luise Köhler steigen wieder in ihre Staatskarosse und fahren nach Lübeck, wo bereits um 17.45 Uhr ein Bürgergespräch in der Geschwister-Prenski-Schule beginnen soll.

 

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